Die Treibhausgasbilanz stellt das quantitative Monitoring-Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität dar. Für das jeweilige Jahr in dem die Bilanz erstellt wird, werden alle Energieverbräuche für Strom, Wärme und Verkehr in den Sektoren Wirtschaft, private Haushalte, Verkehr und kommunale Liegenschaften erhoben und mit den entsprechenden Emissionsfaktoren verknüpft. So entsteht die endenergiebasierte Treibhausgasbilanz für das Stadtgebiet Ludwigsburg.
Aktuell liegen die Ergebnisse der Treibhausgasbilanzen der Jahre 2016, 2018, 2020 und 2022 vor.
Bilanzjahr 2024
Die Datenerhebung für das Bilanzjahr 2024 ist bereits abgeschlossen. Es muss noch auf die zur Verfügungstellung von statistischen Werten und notwendige Emissionsfaktoren gewartet werden bis die Bilanz finalisiert werden kann. Die Fertigstellung wird im laufenden Jahr 2026 sein.
Bilanzjahr 2022
Gesamte Treibhausgasemissionen: Im Jahr 2022 wurden insgesamt 482.396 Tonnen energiebedingte Treibhausgasemissionen ausgestoßen. Im Vergleich zu 2016 entspricht dies einer Reduktion um 13,8 %, während die Emissionen gegenüber 2020 um 4,04 % gestiegen sind.
Treibhausgasemissionen der Energieträger: Um eine bessere Verständlichkeit zu erreichen, wird hier der Vergleich zwischen dem Jahr 2022 und 2020 aufgezeigt.
Obwohl im Jahr 2022 (verglichen mit 2020) 8.000 MWh Strom eingespart wurde, liegen die anteiligen Stromemissionen im Jahr 2022 bei 36 %, während im Jahr 2020 Strom für nur 34 % der Emissionen verantwortlich war. Das liegt daran, dass der Emissionsfaktor um 17,6 % angestiegen ist. Während 2022 die Erzeugung einer Kilowatt Stunde Strom 434 Gramm CO2-Äquivalente verursacht, lag dieser Wert in 2020 noch bei 369 Gramm pro Kilowattstunde. Die Gaskrise 2022 führte zu einer vermehrten Nutzung emissionsintensiver Kohle zur Verstromung, wodurch sich die spezifischen Emissionsfaktoren erhöhten. Die Schwankungen bei der Kohleverstromung resultieren somit aus dem Wegfall der Gaslieferungen aus Russland. Zeitgleich kam es 2022 zu einem starken Produktionsabfall in den französischen Atomraftwerken, wodurch insbesondere der Kohleimportbedarf aus Baden-Württemberg stark anstieg. Der höhere Kohlestromanteil führt zu einer Steigerung des Emissionsfaktors des Bundesstrommix.
Der Kraftstoffverbrauch (Benzin und Diesel) lag 2022 über dem Niveau von 2020, das stark von pandemiebedingten Einschränkungen geprägt war. Die Rückkehr zu höherer individueller Mobilität führte zu einem Anstieg der verkehrsbedingten Emissionen um knapp 7 %.
Der Anteil von Heizöl hat sich im Jahr 2022 um 2 % verringert.
Weiterhin muss für das Bilanzjahr 2022 berücksichtigt werden, dass es im Zusammenhang mit der Energiekrise zwar zu Energieeinsparungen kam, jedoch auch der Emissionsfaktor für Erdgas gestiegen ist. Der Grund des Anstiegs liegt in den veränderten Vorketten, das heißt jene Emissionen, die beispielsweise bei der Produktion, Aufbereitung und dem Transport von Erdgas entstehen. Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich der Anteil an Flüssiggas, den Deutschland über Belgien und die Niederlande importiert, erhöht. Flüssiggas schneidet aufgrund von Verflüssigung und Regasifizierung hinsichtlich der ausgestoßenen Emissionen schlechter ab als Pipelinegas aus Russland und anderen Ländern (ifeu 2023).
Anteile erneuerbarer Energien in Ludwigsburg: Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix stieg 2022 auf 17 % und übertraf damit erstmals den Basiswert von 2016. In der Wärmeproduktion erhöhte sich der Anteil erneuerbarer Energien zwischen 2016 und 2020 von 7,9 % auf 12,4 %, was insbesondere auf den gestiegenen Anteil erneuerbarer Energien in der Fernwärme zurückzuführen ist.
Vergleich mit anderen Städten: Ludwigsburgs THG-Emissionen pro Einwohner werden mit Städten derselben Größenklasse (20.000–99.999 Einwohner) verglichen.
2022 verursachte Ludwigsburg 5,12 Tonnen CO2-Äquivalente pro Einwohner, während der Durchschnitt vergleichbarer Städte bei 7,77 Tonnen lag. Damit schneidet Ludwigsburg deutlich besser ab. Der niedrigste Wert in dieser Kategorie betrug 4,28 Tonnen pro Einwohner.
Nachrichtlich: Die Emissionen des Stroms werden standardisiert auf Grundlage des Bundesstrom-Mix berechnet (gewährleistet eine Vergleichbarkeit mit anderen Kommunen). Der Emissionsfaktor des Bundesstrommixes liegt im Jahr 2022 bei 0,505 t CO2eq/MWh. Der lokale Mix von Ludwigsburg stößt mit einem Emissionsfaktor von 0,440 t CO2eq /MWh in der Realität 23.548 Tonnen CO2eq weniger aus.
Basisjahr 2016
Die Bilanz von 2016 ist die erste Treibhausgasbilanz, die im Klimaschutz-Planer integriert wurde. Aus diesem Grund ist diese Bilanz unsere Vergleichsbilanz, mit der wir den Rückgang der Treibhausgasemissionen in den letzten Jahren abgleichen.
Im Jahr 2016 wurden insgesamt 559.587 Tonnen energiebedingte Treibhausgasemissionen ausgestoßen.
Weitere Zahlen, Daten und Grafiken sind in der Auswertung des Klimaschutz-Planers zu finden:
Ergebnisübersicht_2016
Ergebnisübersicht_2018
Ergebnisübersicht_2020
Ergebnisübersicht_2022
Was ist eine kommunale Energie- und Treibhausgasbilanz?
Bei einer kommunalen Treibhausgasbilanz werden der Energieverbrauch und die Emissionen an klimarelevanten Treibhausgasen in einer Kommune dargestellt. Durch die regelmäßige Erstellung von Treibhausgasbilanzen kann beobachtet werden, inwieweit die unternommenen Maßnahmen im Klimaschutz sich auf die Reduktion der Treibhausgasemissionen auswirken und ob die Klimaschutzziele erreicht werden.
Für die Erstellung der Energie- und Treibhausgasbilanzen der Stadt Ludwigsburg wird das Tool „Klimaschutz-Planer“ verwendet. Das Bilanzierungstool „Klimaschutz-Planer“ folgt den methodischen Empfehlungen zur kommunalen Treibhausgasbilanzierung der sog. Bilanzierungssystematik Kommunal, kurz BISKO. BISKO ermöglicht durch die Standardisierung der Bilanzierung einen deutschlandweiten Vergleich von Treibhausgasbilanzen mit anderen Kommunen. Bilanziert werden alle in der betrachteten Kommune anfallenden Energie-Verbräuche und entsprechend den verschiedenen Verbrauchssektoren zugeordnet.
Es werden folgende Verbrauchssektoren unterschieden:
- Private Haushalte
- Gewerbe, Handel und Dienstleistungen
- Industrie (Verarbeitendes Gewerbe)
- Kommunale Einrichtungen
- Verkehr
Nichtenergetische Emissionen werden nicht berücksichtigt. Der Energieverbrauch ist in Deutschland für circa 80 Prozent der Emissionen verantwortlich. Eine Bilanzierung der verbleibenden, nichtenergetischen Emissionen auf kommunaler Ebene (zum Beispiel durch Landwirtschaft, Abfall oder Lösemittel) wäre mit erheblichem zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden.